Dienstag, 1. Juli 2014

Unterscheide die Geister

Wir müssen sehr achtgeben auf den Verlauf der Gedanken. Sind Anfang, Mitte und Ende gut und hingerichtet auf etwas ganz Gutes, dann ist dies ein Zeichen des guten Engels. Wenn aber einer im Ablauf seiner Gedanken bei einer schlechten oder ablenkenden Sache endet oder bei etwas weniger Gutem als dem, was die Seele sich vorher vorgenommen hatte zu tun, oder wenn es die Seele schwächt oder verwirrt, indem es ihr den Frieden, die Stille und Ruhe, die sie vorher hatte, wegnimmt, so ist dies ein klares Zeichen, dass es vom bösen Geiste herstammt, dem Feind unseres Fortschritts und ewigen Heils. Das stammt leider nicht von mir, sondern vom heiligen Ignatius von Loyola. Um 1500 geschrieben, wusste er bereits, wie wichtig es ist sich seinen Geistern anzunehmen, sie zu erkennen und diese zu unterscheiden. Übersetzt heissen seine Worte wohl, dass wir prüfen sollten warum wir genau was denken. Jeder von uns denkt pausenlos am Tag. Im Bett, im Bad, am Küchentisch, in der Umkleidekabine oder wo auch immer wir uns gerade befinden. Oft haben die Gedanken mit dem was wir gerade machen überhaupt nichts zu tun. 80% unserer Gedanken sind wortwörtlich geschrieben Schrott und können sofort in die Mülltonne. Was ist aber mit den übrigen 20%? Welche, die mit unserem Hier und Jetzt etwas zu schaffen haben? Trenne die Geister. Was genau ist damit gemeint? Mache ich mir meine eigenen Gedanken, bin ich es die denkt. Klar. Was aber ist, wenn ich mir die Gedanken des anderen mache? Was ist wenn ich denke, was der andere "vermeintlich" denkt oder denken könnte? Dann sind es doch immer noch meine Gedanken, oder? Klinke ich mich in den anderen hinein und konstruiere sein Gedachtes, ist es denn dann nicht oft so, dass ich davon überzeugt bin, dass der andere so denkt und dementsprechend handle? Und da fängt es an zu haken. Egal was wir denken, es hat immer mit uns zu tun. Es sind immer unsere Gedanken, deshalb ist es auch so schwer, sie abzuschalten. Deshalb, glaube ich ist es auch so schwer, aus dem Kreis heraus zu treten und das Ganze von Außen zu betrachten. Ein banales Beispiel. Ich stehe unter der Dusche, mache mich fertig für meine Verabredung. Plötzlich kommt der Gedanke, mein (!) Gedanke, der andere könnte ja vielleicht gar keine Lust darauf haben, weil seine Arbeit gerade so stressig ist, ich gestern etwas zickig zu ihm war, usw. Wäre ich aufmerksam genug, würde ich diesen Gedanken fallen lassen, ihn im besten Falle weglächeln. Bin ich es nicht (was oft vorkommt) gehe ich dieser Fährte nach und habe bin in Minuten das größte Drama am Start. Streit. Betrug. Trennung.Und das obwohl nichts ist. Was ist, ich stehe unter der Dusche und freue mich auf mein Date. Wow. Ich bin immer wieder sehr überrascht, wie Frau oder sicher auch Mann, sich das Leben zur Hölle denken kann. Was also tun? Gute Frage. Gerne die nächste... Unterscheide die Geister. Was ist mein Anteil? Ich glaube, immer der Größte. Nehme ich mein Beispiel, so denke ich in den anderen meine Angst hinein. Meine Angst nach Ablehnung, Verlust, Betrug und wie sie noch alle heissen, meine Weggenossen. Und da kommen wir wieder zum hl. Ignatius ( der mich wirklich sehr beeindruckt). Gib acht auf deine Gedanken, auf Anfang, Mitte und Ende. Wenn wir "schlechtes" denken, warum machen wir das? Stammt der Gedanke wirklich aus einer Handlung des Gegenübers oder ist er ein Keim unserer verzweifelten Seele, die nach Ruhe schreit? Ich kann nicht wissen, was der andere denkt, und genau so wenig, kann der andere wissen was ich denke. Die Kommunikation mit dem Gegenüber kann einiges klären. Natürlich. Aber nun ist es so, dass wir uns nicht immer sofort und zu jeder Gelegenheit mit dem anderen austauschen können. Wir Frauen würden das sicher ganz gerne, aber auch wir müssen mal schlafen oder anderes machen, als im Gespräch zu sein. Im Gespräch mit uns selbst sind wir aber eigentlich immer. Ob nun Mann oder Frau. Und da sind wir dann am meisten gefordert. Es fordert uns zu erkennen, was wirklich ist und was gedacht ist. Was wirklich der andere ist und was wir selber. Schwächt oder verwirrt das Gedachte unsere Seele, sollten wir, wenn es uns nicht gelingt, den Gedanken los zu lassen, ihn ziehen zu lassen, uns doch auf jeden Fall darüber im Klaren sein, dass wir es sind, die diese Gedanken denken und alles dafür tun sie nicht in unser tatsächliches Handeln eingreifen zu lassen. Gelingt uns das, Stück für Stück, Gedanke um Gedanke, so glaube ich, wird unser Leben leichter.

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