Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Menschen. Menschen die laut sind, Menschen die verschwiegen und leise sind, Menschen die freundlich in den Tag hinein gehen, andere die den Tag zur Nacht machen, weil ihnen das Licht nicht nur in den Augen weh tut. Nicht mit jedem Menschen kommt man von Anhieb gut zurecht. Bei Manchen bedarf es eines klärenden Gespräches, bei einigen muss man erst das eigene Revier abstecken oder man muss sich langsam einander nähern, damit die Nähe auch zur Ruhe führt.
Ich habe im Laufe meines jungen Lebens viele verschiedene Arten meiner Artgenossen kennen gelernt. Einige davon lieben, wenige hassen. Wirklich sehr wenige hassen und darüber bin ich froh, denn der Hass ist ein so mächtiges Gefühl. Er bindet viel mehr als die Liebe. Der Hass lässt nichts übrig, er macht blind, verwirrt und gibt nicht viel Platz für Neues.
Immer wieder bleibe ich bei Menschen hängen, die mir eigentlich keinen Grund dazu geben bei Ihnen stehen zu bleiben. Oder vielleicht doch? Diese Menschen sind meist sehr verschwiegen. Auf der Suche nach Liebe, die sie, wenn sie diese dann haben, nicht aushalten. Menschen die nach Verantwortung streben, für diese aber nicht eintreten wenn es darauf ankommt. Menschen für die Wörter wie Liebe und Vertrauen eine unglaublich negative Bedeutung haben. Liebe und Vertrauen machen in ihren Augen schwach und abhängig.
Vielleicht ist es das was mich dort immer wieder verweilen lässt. Die gemeinsamen Ängste. Die gemeinsame Angst um die eigene Integrität.
Aber was ist das Integrität?
Ein integrer Mensch lebt in dem Bewusstsein, dass sich seine persönlichen Überzeugungen, Maßstäbe und Wertvorstellungen in seinem Verhalten ausdrücken. Was ist aber wenn das Bewußtsein dafür nicht da oder nur stellenweise vorhanden ist? Was ist wenn die eigene Wahrnehmung verschleiert ist? Verschleiert durch den eigenen Vorhang, den man sich jahrelang mühevoll zusammen gesponnen hat?
Ich kenne die Bilder der Nebenrealiäten, welche man sich schafft um nicht wirklich "hinschauen" zu müssen. Denn das Hinschauen tut meistens sehr weh. Das Hinschauen ist verdammt unbequem und erfordert sehr viel Anstrengung. Nicht jeder ist bereit zu ändern was ein Leben lang schon irgendwie funktioniert hat. Manche haben sich ihr eigens Haus gebaut, aus dem sie vielleicht mal an Silvester raus kommen um zu sehen ob die Erde sich noch dreht. Aber selbst dieser Gang erfordert viel, denn der Realität kann keiner wirklich entwischen. (Außer er hat verdammt gute Drogen) Nicht umsonst heißt es "die Realität hat mich eingeholt".
Natürlich tut sie das. Vielleicht nicht sofort, vielleicht nicht von dem Menschen den es gerade betrifft. Vielleicht zeigt sich das kleine, glitschige Ding erst nach Jahren der Zersteuung. In der U-Bahn, auf dem Weg zum Kiosk oder im Kino. Aber eines ist sicher, die Realität ist absolut!
Vor einigen Jahren habe ich damit angefangen aus meinen Gedachten heraus, mich mit meiner direkten Umwelt zu befassen. Mir alles anzusehen, was nicht in meinem Kopf, sondern vor meinen Augen passiert. Vieles hat damals nicht zusammen gepasst.
Eines wurde mir sehr schnell bewußt, es gibt nicht viele klare Menschen. Menschen bei denen das Gedachte und Gefühlte mit dem Getanen übereinstimmt. Ein großer Teil von mir hat sich an mich selbst erinnert gefühlt. Das hat mich traurig gemacht. Aber auch wütend auf mich. Ich habe mich geschämt, meiner Umwelt vieles vorgemacht zu haben, was ich damals dachte, was von mir verlangt, erwartet werden würde. Ich war nicht ehrlich.
Weder zu mir, noch zu den anderen.
Diese Erkenntnis ist nicht gerade das erste was ich bei einem Date gezählen würde. Nein wirklich nicht. Aber ich bin um diese Erkenntnis von Herzen froh. Ich bin dafür dankbar. Sie hat mein Leben verändert.Sie hat mein Leben komplett auf den Kopf gestellt. Sie hat mir die Kraft gegeben einen anderen Weg einzuschlagen. Natürlich kommen immer wieder die Hürden, des Inneren und Äußeren geblablabla.... aber die Hürden werden von Mal zu Mal kleiner. Es kommen auch Rückschritte. Nicht von allem kann man sich so ohne weiteres in Klarheit lösen. Vieles ist noch verwirrend, aber sehr vieles auch nicht mehr. Hat man sich einmal dazu entschlossen diesen Weg zu gehen, gibt es kein Zurück mehr. Situationen müssen auf einmal ausgehalten, Standpunkte vertreten werden. Auf dem Weg der Klarheit heißt es viele Menschen stehen zu lassen. Menschen, die den Wunsch nach wahrer Integrität nicht teilen. Das ist oft sehr schwer. Das ist oft mit viel Leid verbunden. Nicht jeder lässt einen in Liebe ziehen. Eigentlich die wenigsten.
Aber dieses Opfer zu bringen ist es wert. Wert für das eigene Leben und die eigenen Bedürfnisse einzustehen.
Mit der Zeit wird es leichter die einen von den anderen zu unterscheiden. Manchmal packt mich noch die Angst wieder bei den "Falschen" hängen zu bleiben. Wenn das passiert muss ich immer an meine geliebte Freundin denken, die mir auf die Frage, was ich denn tun solle, sollte mir wieder ein Mensch aus der Kategorie (eigentlich hasse ich es Menschen in Kategorien einzuteilen, es sei mir hier verziehen), aus der Kategorie "extrem Nähe empfindlich" begegnen, mich freudestrahlend ansah und nur schrie:
"Lauf Forrest! Lauf!" :-)
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