Mittwoch, 8. Oktober 2014
Liebe - die Zweite
Die Schlacht ist eröffnet. Mit gezogenem Schwert rechts in der Hand, der Streitaxt links, blind und verwirrt hineingestürzt. Der Kampf hat längst begonnen, die Schlacht als letzte Konsequenz. Strategische Kriegsführung? Fehlanzeige. Entgleisung der emotionalen Norm. Wünsche, Bitten, die zu erbitterten Vorwürfen werden, welche postwendend und ebenso erbittert zurück geschleudert werden.
Vom Frieden ohne Umweg in den Krieg. Der Grund ist nicht die Ursache der Heftigkeit. Die Heftigkeit ist Ergebnis der eigenen Verletzungen, die vor dem anderen zu schützen sind.
Unverständnis macht sich breit. Die Ungedult bohrt sich in die Ignoranz und daraus entsteht Gemeinheit.
Es geht ums Überleben!
Deshalb wird einfach drauf los geschlagen. Das Schild so hoch erhoben um ja nichts vom Gegner sehen zu können oder zu müssen.
Gegner der gerade noch auf der selben Seite stand.
Unter der schweren Rüstung, die Haut noch warm von den Liebkosungen des Feindes.
Feindes. Freundes. Gegner. Verbündeten. Liebsten.
Was denn nun? Um es in Udo Jürgens Worten zu fragen:
Fremde oder Freunde?
Wohl keines von beiden. Fremde könnten sich nie so nahe sein. Freunde wären gegenseitig nicht so verletzend.
Wenn Liebe und Hass sich umarmen, nein das ist nicht richtig. Wenn Liebe und Angst sich umarmen. Was entsteht dann?
Kommt vielleicht darauf an wer die stärkeren Arme hat. Wer länger durchhält. Die Angst? Die Liebe?
Ist es Liebe durchzuhalten? Ist es Angst nicht stehen bleiben zu wollen? Die Angst durchzuhalten, sie auszuhalten. Angst, dass die eigenen Bedürfnisse den Rahmen des Machbaren sprengen. Wenn dem so ist. Wenn die eigenen Bedürfnisse für den anderen nicht "machbar" sind. Was ist dann mit der Liebe? Wo soll die dann hingehen? Ihr zu Hause ist beim anderen. Machbarkeiten hin oder her.
Die Liebe will gehört werden. Egal wie unbequem es für den Zuhörer ist. Die Liebe nimmt sich nicht zurück. Sie hat keinen Grund dazu. Sie ist das stärkste Gefühl, das es gibt. Die Liebe ist nicht vernünftig, sie ist in aller Stille von Herzen laut. Die Liebe lässt uns barfuß durch die Hölle gehen. Sie berührt wo die Wunden am meisten schmerzen. Sie treibt an, sie fordert, sie kämpft. Die Liebe liebt es zu lieben und geliebt zu werden. Die Liebe ist die meiste Zeit am suchen. Findet sie, so sucht sie weiter. Der Weg ist das Ziel und das Ankommen, wie wir es verstehen, nur eine kurzweilige Laune des Gelebten.
Die Schlacht ist so sinnlos wie der ganze Krieg. Das war schon immer so und ist wohl bekannt, aber wie eine Schlacht vermeiden wenn der Frieden nicht vertrauensvoll auf allen Ebenen weilt. Wenn der Schmerz des Vergangenen, die stärkste Waffe gegen sich selbst ist?
Vor wem gilt es dann eine Mauer zu ziehen? Vor sich selbst? Als Schutz? Vorm anderen? Damit er die eigene Schwäche nicht als Mangel deutet? Wenn man sich selbst der ärgste Feind ist und der Weg hinaus nicht sichtbar scheint, was ist dann zu tun?
Nicht weglaufen. Weiter lieben.
Montag, 1. September 2014
Das bisschen Herz
Wieviel Schmerz kann ein Herz ertragen?
Und wie wird es wieder heil?
Ich habe vor Jahren in einem Stück von Sonja Ganzenmüller eine wunderbare Rolle gespielt. Ich war die Liebe. Am Anfang des Stückes sah man mich, also die Liebe, auf einer Parkbank sitzend einen Abschiedsbrief zitieren:
"...wenn Du gehst bleibt nichts. Dein Bild an der Wand, mein kleines Herz zurück in meiner Hand. ICH SCHLAG ES TOT. Wenn Du gehst bleibt nichts und ich bin traurig."
Vor jeder Vorstellung hatte ich sehr Angst diese paar Sätze "richtig" zu sprechen. Ich wollte ihnen genügen. Bei aller Dramatik doch einfach und ehrlich sein.
"Wenn Du gehst bleibt nichts."
Ist das wirklich so? Dass wenn der andere geht, nichts mehr bleibt? Nach dem Sturm die erdrückende Ruhe.
Wenn Du gehst bleibt nichts.
Meistens bleiben Verletzungen. Auf beiden Seiten.
Wieviel Schmerz kann ein Herz ertragen? Das frage ich mich immer wieder. Wieviel Abwertung, Erniedrigung und Schläge?
(Also heute hab ich ja wieder ein super Thema worüber ich schreibe. Gebrochene Herzen, Schmerz, Kampf... man könnte meinen ich wäre depressiv, melancholisch total am Ende, vom Leben verlassen und extrem unlustig. Aber das alles trifft überhaupt nicht zu. Im MOment geht es mir so gut wie schon lange nicht mehr. Vielleicht beschäftigen sich meine Gedanken gerade deshalb mit diesem schweren Thema.)
Die Zeit des Heilens kann beginnen, sobald der Geist Abstand vom Schmerz genommen hat.
Ich wache seit einer Woche jeden Morgen um 8h auf und verfalle in Selbstgespräche. Schmerzhafte Situationen kommen daher und möchten "verarbeitet" werden. (die machen nicht mal im Urlaub ne Pause.)
Vor meinem inneren Auge tauchen bereits gesprochene Dialoge auf. Alles will noch einmal durchgesprochen und durchgedacht werden. Empfunden und analysiert.
Die Trauer wechselt sich mit der Empörung ab. "Wie konnte er oder sie nur so etwas sagen? Mich so verletzen?"
Mit etwas Abstand (und nach einigen Sitzungen bei meiner Sofatante) bin ich zu der gefühlten Erkenntnis gekommen, dass die wenigsten Verletzungen, die uns entgegen geschleudert werden auch tatsächlich etwas mit uns selbst zu tun haben. Meint das Gegenüber wirklich mich, oder redet es in einer "Du" bezogenen Form doch nur von sich selbst?
Wenn wir einander besser zuhören würden, dann glaube ich, würden weniger Beziehungen geschlossen, aber auch weniger BEziehungen getrennt werden. Dem anderen zuhören, das Gesagte aufnehmen ohen gleich den eigenen TEil in den anderen zu legen ist zwar sehr schwer (I know!) aber unumgänglich im wahrhaftigen Kontakt mit meinem Gegenüber.
Wer bin ich? Wer ist der oder die andere?
Vor kurzem hat mir jemand gesagt, wir würden eine bestimmte Form der Beziehung führen. Die bestimmte Form war sehr negativ. Mich hat das natürlich verletzt. Aber bei längerer Betrachtung muss ich sagen, dass diese Behauptung nichts mit meiner Empfindung für diese Beziehung zu tun hat oder hatte.
Ich denke mein Gegenüber hat (wahrscheinlich unbewusst) von sich selbst gesprochen. Denn wie können wir denn ahnen was der andere fühlt oder denkt wenn wir ihn nicht fragen und wirklich zuhören? Wenn wir uns selbst nicht über unsere Gefühle im Klaren sind wie können wir dann behaupten oder denken, über die Gefühle des anderen Bescheid zu wissen?
Mir hilft diese Erkenntnis, die eine oder andere Wunde zu schließen. Mir hilft diese Erkenntnis sehr noch mehr Abstand zum Anderen zu nehmen. Im positiven Sinne. Einen Schritt zurücktreten um das ganze Bild vor mir zu sehen und mich auch als Ganzes zu zeigen.
Diese Vorstellung gefällt mir. Sie lässt mir genügend Luft zum atmen, zum denken und fühlen. Sie gibt mir die Freiheit ohne Panik, Angst und ABhängikeit zu fühlen.
Das eigene Herz bedarf es dann nicht durch einen Panzer zu schützen.
Wieviel SChmerz kann ein Herz ertragen?
Gelingt es uns, das eigene Herz in ein selbstbestimmtes und differnziertes SEIN ein zu betten, hält es, so glaube ich, fast jeder Verletzung Stand.
Samstag, 30. August 2014
Sinnliche Lässigkeit
Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen wenn ich alleine unterwegs bin ist es, andere Menschen zu beobachten. Besonders Paare haben es meinem Interesse sehr angetan. (Wobei es hier besonders wichtig ist, diskret vorzugehen, da die Paarfrau oft mit Argusaugen ihren Paarmann vor etweiligen Interessensbekundungen von außen zu beschützen sucht.)
Nun gut. Wo war ich stehen geblieben? Ja. Bei den Paaren und deren Verhalten in der Öffentlichkeit. Verschmust, distanziert, lässig, grob, liebevoll, die komplette Palette wird aufgefahren. Gerade sitze ich in einer sehr coolen Strandbar und beobachte wieder. Meine Aufmerksamkeit beschäftigt sich gerade mit einem älteren Paar. Beide bestimmt Anfang, Mitte siebzig. Sie klein, zierlich mit lebendigen blauen Augen. Er groß, muskulös (was für sein alter erstaunlich ist), tiefe braune Augen. Die beide sind ein sehr attraktives Paar, was nicht an ihrer braun gebrannten Haut liegt, viel mehr an dem Miteinander was sie ausstrahlen. Die beiden sind ein Team ohne dabei "siamesisch" zu wirken. Sie sitzen einander gegenüber, unterhalten und berühren sich mit einer sinnlichen Lässigkeit, wie ich sie wirklich noch nie erlebt habe. Am liebsten würde ich rüber gehen und fragen was deren Geheimnis ist. Die würden mich wahrscheinlich für komplett durchgeknallt halten. Eine deutsche Touristin, die bei 35 Grad mit Schal rum rennt, verschwitzt ihren Notizblock zückt und Fragen nach deren lässigen Sinnlichkeit stellt. (ich weiß ja nicht mal was lässige Sinnlichkeit auf Englisch heißt.) Nun gut. Muss ich mir die Frage selber beantworten. Das versuche ich schon eine ganze Weile. Wie schaffen es Paare glücklich zu sein und zu bleiben? Wie schaffen es Mann und Frau integer einen Bund einzugehen der hält ohne sich dabei zu erdrücken? Ich habe natürlich die eine oder andere Beziehungserfahrung bereits selbst gesammelt, bin aber zum Teil nicht wirklich stolz auf meine "Beziehungsvita". Ehrlich habe ich es immer gemeint. Von Herzen. Mit jedem. Aber was habe ich daraus gemacht? Bin ich wirklich von Anfang an mit Achtung vor meinem Gegenüber auf mein Gegenüber zugegangen? Diese Frage hat mich meine Therapeuten bei unserer letzten Sitzung gefragt. (unglaublich, da zahle ich nen Haufen Geld um mich sowas fragen zu lassen). Leider hat sie mit der Frage ins Schwarze getroffen. Sie hat mich am Nerv des „Gegenüber seins“ getroffen, die blöde Kuh. Nicht nur einmal (auch kürzlich erst wieder) habe ich zu hören bekommen, ich würde auf mein männliches Gegenüber herabblicken. ALs ob ich nicht glauben könnte, dass er ein ehrliches, vertrauensvolles und starkes Selbst ist. Die meisten haben sich auch als sehr schwach entpuppt. Aber lag es nun daran, dass sie es wirklich waren oder ich ihnen gar keine Möglichkeit gegeben habe stark zu sein? Mit einer Frau zusammen zu sein, die alles oder zumindest sehr viel mit sich selbst ausmacht, deren Freundinnen das vorrangige Ansehen genießen, und die höchstens zum Bildaufhängen einen Mann benötigt, ist es sicherlich nicht so wahnsinnig einfach den starken Macker raushängen zulassen. Wobei irgendetwas „raushängen“ zu lassen ja auch schon wieder falsch wäre.
Ich wurde gefragt welches männliche Attribut ich beachtlich finde? Im positiven Sinn. Ich musste wirklich lange überlegen. Das hat mich sehr überrascht und nachdenklich gestimmt. Wie kann ich denn von meinem Gegenüber Respekt, Liebe, Wahrheit, Klarheit und Vertrauen erwarten wenn ich ihn nicht achte? Wenn ich meine Freundinnen frage, was sie erwarten wenn sie einen Mann kennenlernen, dann sagen die meisten, sie erwarten das beste. Das ist die Basis. Der Anfang. Vertrauen. Vertrauen in etwas oder jemand Gutes. Ja sag einmal wann ist mir das denn abhanden gekommen? Hab ich die Achtung irgendwo liegen gelassen? Ach herrje. Und wenn dem so ist, wie finde ich sie wieder??? (sorry ich weiß ich klinge gerade leicht hysterisch).
Könnte es sein, dass ich lässige Sinnlichkeit verspüren kann, wenn ich weiß, dass ich ohne den anderen könnte, aber nicht möchte? Ist meine Achtung vor dem anderen von Anfang an so klein, weil ich nicht in Versuchung geraten möchte, ihm voll und ganz zu vertrauen? Oder suche ich mir von Beginn an ein Gegenüber, dass meiner Stärke gar nicht Standhalten kann? Denn stark bin ich. Das weiß ich. Das sind die meisten Frauen, die früh gelernt haben, dass auf den Spatz in der Hand mehr Verlass ist, als auf die Taube auf dem Dach. Aber insgeheim möchten wir doch so gerne einmal die Taube sein. Sich zurücklehnen und den anderen „machen“ lassen. Ihm einfach mal folgen ohne die Zügel selbst in der Hand zu haben. Aber wie könnte mir das gelingen ohne gleich in eine Sinneskrise zu stürzen?
Ich könnte ja mal von meinem hohen Ross runtersteigen und schauen wie es sich ebenbürtig so lebt. Ich könnte meinem GEgenüber ja einfach nur mal zuhören und ihm vertrauen, dass er alles richtig und gut machen wird. Ohne böse Absicht. Ja, ich glaube das ist eine gute Idee.
Dass ältere Paar mir gegenüber in der STrandbar wirkt sehr ebenbürtig. Sehr klar mit sich selbst und dem anderen. Extrem unhysterisch!
Vielleicht ist das ihr Geheimnis. Dass sich die Frage des „Zügelhaltens“ gar nicht stellt. Gemeinsam reiten sie hinaus in die Prärie, jeder hat die Zügel in der Hand und gemeinsam folgen sie dem anderen.
Mittwoch, 27. August 2014
...aus dem Paradies
Wenn dich die Liebe ruft, so folge ihr,
auch wenn ihre Wege schwer und steil sind.
Und wenn ihre Flügel dich umfassen,
gib ihr nach, auch wenn das Schwert
in ihrem Gefieder versteckt
dich verwunden kann.
Und wenn sie zu dir spricht, glaube ihr,
auch wenn ihre Stimme deine Träume zerstört,
wie der Nordwind den Garten verwüstet.
So wie die Liebe dich krönt,
so kann sie dich auch kreuzigen.
So wie sie den Wachstum begünstigt,
so ist sie auch für dein Beschneiden.
So wie die Liebe emporsteigt in deine Höhe
und deine zartesten Äste liebkost,
die in der Sonne zittern,
so wird sie hinabsteigen in deine Wurzeln
und sie erschüttern,
während sie die Erde festhalten.
-Aus: Der Prophet von Khalil Gibran Dem ist nichts mehr zu zufügen.
Sonntag, 10. August 2014
Liebe
Dieser Blog sei der Liebe gewidmet.
Von Wikipedia wird sie folgend erklärt:
Liebe ist im Allgemeinen die Bezeichnung für die stärkste Zuneigung und Wertschätzung, die ein Mensch einem anderen entgegenzubringen in der Lage ist. Der Erwiderung bedarf sie nicht.
Einfach und auf den Punkt gebracht. Bei näherer Betrachtung treten aber Fragen in mir auf. Wie ist das zum Beispiel mit der Erwiderung. Bedarf es sie wirklich nicht vom Geliebten? Lieben wir denn nicht alle um geliebt zu werden? Ich finde das wäre großartig, einfach nur zu lieben um der Liebe willen. Es würde vieles erleichtern. Es gäbe keine Erwartungen und keinen Schmerz wenn diese nicht erfüllt werden. Wenn ich einen Menschen einfach nur liebe um der Liebe wegen, er aber nicht in der Lage ist mir diese zurück zu geben, weil er es einfach nicht kann, wäre ich dann enttäuscht oder verletzt? Wahrscheinlich nicht. Aber ist das wirklich in die Tat umzusetzen? Hat nicht schon der gute, alte Wilhelm Busch geschrieben "...das Schönste ist auf Erden, lieben und geliebt zu werden..." Natürlich hat er nicht geschrieben dass es sich hier um ein und dieselbe Person handelt. Aber ist an das Lieben einer Person nicht auch der Wunsch geknüpft, dass diese die Liebe erwidert?
Eine Mutter liebt ihr Kind. Und das Kind liebt die Mutter. Da bedarf es keiner Nachfrage. Das hat die Natur so eingerichtet und es müsste wirklich Schreckliches geschehen um dieses Gefühlt zu töten. Ach um Gottes willen, ich wollte doch einen schönen, harmonischen Blog über die Liebe schreiben und nun bin ich beim Tot gelandet. Aber so ist es nun mal. Sobald das Wort Liebe ausgesprochen wird, gibt es nicht allzu viele Menschen, die sich einfach nur freudestrahlend ans Herz fassen und glücklich sind. Warum eigentlich? Was ist an der Liebe dran, dass sie uns so ängstigt? Vielleicht, weil Liebe zu oft mit Abhängikeit verwechselt wird? Vielleicht, weil es nicht immer einfach ist das Gefühl der Liebe auszuhalten? Weil sie doch nicht immer nur schön ist? Vielleicht, weil wir immer wieder vergessen, dass Liebe, wie oben beschrieben, mit Wertschätzung zu tun hat? Warum sind so viele vermeintlich liebende Paare so grausam im Umgang mit dem anderen? Wohl nicht nur im Umgang mit dem anderen, wahrscheinlich auch mit sich selbst. Vor ein paar Tagen meinte eine Freundin zu mir, dass sie Kopf und Kragen riskiert, weil sie ihren Freund liebt. So sehr liebt. Was haben wir Menschen eigentlich aus der Liebe gemacht? In welchem dunklen Keller haben wir sie gesperrt? Und warum? Wieder ein warum und wieder die gleiche Antwort. Die Liebe steckt im Keller unserer eigenen bewussten oder unbewussten Ängste. Wenn ich liebe bedeutet das, dass ich mich öffne und das bedeutet, dass ich Nähe zu lasse und das wiederum setzt vorraus, dass ich als Person, so integer bin, diese Nähe nicht zur Abhängikeit werden zu lassen. Wow was für ein Satz. Wenn ich nicht fest genug in mir selber verankert bin, dann kann mir die Nähe zu einem anderen Menschen zu viel werden, dann bekomme ich Angst, dass diese Nähe mich auffrisst, dass der andere mich komplett vereinnahmt. Dann schwimme ich hilflos im Strudel der Liebe und sehe kein Land mehr. Wäre das die Erklärung dafür, warum immer weniger Menschen tiefe Verbindungen eingehen? Weil sie dann nicht mehr sie selbst sein können? Ja das könnte sein. Ist das mit ein Grund weshalb bei der Liebe zuviel Schmerz entsteht? Weil wir aufhören uns selbst zu lieben wenn wir einen anderen lieben? Ich war letzte Woche mit einem guten Freund beim essen. Vor zwei Jahen ist seine Beziehung in die Brüche gegangen. Seit dem ist er auf sämtlichen Singelbörsen vertreten, trifft sich permanent mit Frauen, beteuert aber immer wieder, dass er sich auf keinen Fall mehr verlieben möchte und eine feste Bindung schon garnicht mehr eingeht. Er empfand die Liebe zu seiner ehemaligen Partnerin als unsagbar einengend und zerstörerisch für seine eigene Weiterentwicklung. Das Versagen des Ganzem lag bei ihr.
Mir fällt da die Geschichte vom Fuchs und den Trauben ein. Der Fuchs, der unbedingt die Tauben haben möchte, welche an einem Baum hängen. Der Fuchs springt ein, zwei, dreimal um die Trauben zu bekommen. Leider gelingt es ihm nicht. Was blöd und frustrierend für ihn ist. Natürlich. Aber anstatt dass der Fuchs sich einfach eingesteht, dass er nicht hoch genug springen kann, sagt er sich, dass er dieses vergammelte Trockengemüse eh nicht haben möchte. Die perfekte Abwertung für das Gegenüber und der "springende Fuchs" ist fein raus.
Was genau hat jetzt dieser Blog noch mit der Liebe zu tun? Ja, ich weiß die Angst vor ihr lässt uns oft ungerecht und gemein werden. Wäre die Liebe eine Person des öffentlichen Rechts würde ich für diesen Blog wahrscheinlich gekreuzigt werden. Und zu Recht wie ich finde, denn er hat nicht viel mit dem wahren Gefühl der Liebe zu tun. Die Liebe ist gut, sie ist (und da gebe ich Wikipedia recht) die stärkste Zuneigung und Wertschätzung, die ich einem anderen Menschen entgegen bringen kann. Die Liebe kann uns zu einem besseren, vollkommeneren Menschen machen. Sie kann es nicht nur, sie macht es!
Abhänig machen wir uns immer selber, nicht der andere. In der Liebe gibt es keine Schuld. Warum suchen wir dann aber immer nach einem Schuldigen? Meistens im anderen, die etwas Klareren unter uns suchen auch machmal die Schuld in sich. Aber trotzdem schuldig muss immer einer sein. Warum hören wir nicht einfach auf damit? Die Angst vor diesem Großen Gefühl haben wir alle. Und das ist ok. Ok ist nicht, was wir oft daraus machen. Ehrlich der eigenen Angst entgegen treten, zu ihr zu stehen, sie anzunehmen als einen alten Freund, der ein Bett für die Nacht braucht. Sich mit ihr auseinander zu setzen und zu begreifen, dass sie nichts mit der Liebe zu tun hat. Und zu begreifen, dass das Herz öffnen nicht zwangsläufig Schläge und Schmerzen einstecken bedeutet. Wäre das nicht ein Anfang diesem großen Gefühl und somit uns eine ehrliche Chance zu geben?
Dienstag, 15. Juli 2014
Der vielleicht Mann
"Ja, nein, eventuell, doch, schon, vielleicht, ganz sicher, mal schauen..."
... wie oft ich das schon gehört habe. Sätze wie: "Sorry, aber ich kann mich gerade nicht entscheiden." oder "Ich bin einfach nicht so schnell wie du." oder "Bei mir dauert das halt länger als bei dir."
Ich habe da so ein Ding mit mir selber am laufen. Das da wäre, wann schaffe ich es endlich mein männerbezogenes Muster zu ändern. Wie ich immer wieder feststellen muss, habe ich es leider noch nicht ganz geschafft. Aber! Ich erkenne sie immer schneller. Mit "sie" meine ich die Männer, welche mich zwar ganz schick finden und auch gerne ihre Zeit mit mir verbringen, sich auch anfangs um mich bemühen, aber dann doch, nach gegebener Zeit (eigentlich genau dann wenn ich mich für sie entschieden habe) nicht so genau wissen, was sie eigentlich wollen und ob sie überhaupt bereit sind. Beziehung? Ja, nein, vielleicht, doch, ja, schon auch, aber... Immer wieder muss ich mir die gleichen nicht sehr entscheidungsfreudigen Aussagen meiner männlichen Gegenüber anhören. Ganz ehrlich, mir reicht es! Ich bin sowas von gesättigt, ja ich würde fast schon sagen: überfressen, mit ihren sich wiederholenden Herausrederein. Jungs, habt ihr da so ein Forum im Netz, wo ihr euch gegenseitig die Sprüche zu schustert? Oder wie kommt es sonst, dass ihr nichts Neues hervor bringt? Selbst das spannenste Hörbuch wird nach dem 10 Mal anhören langweilig. Teilweise kann ich schon mitreden.
Sollte ich jetzt in irgendeiner Form verbittert, wütend, resigniert, traurig, belustigt, sarkastisch oder verwundert klingen, dann muss ich offen und ehrlich zugeben, dass ich das auch bin. Und zwar alles zusammen!
Verbittert, weil mein Glaube an das starke, verantwortungsbewusste, männliche Gegenüber immer mehr verloren geht.
Wütend, weil ich es (als Frau, die sich selber mag und wertschätzt und so auch versucht mit dem anderen umzugehen) einfach unerhört finde, wie erwachsene Männer sich so bescheuert benehmen können.
Resigniert, weil es mir immer wieder passiert.
Traurig, weil es eine narzistische Kränkung ist, wenn der andere nicht "zieht".
Belustigt, weil der männliche Part bei Zeiten sehr abenteuerliche Ausreden in einer durchaus unsicheren Worteaneinanderreihung herauswürgt, um ja nicht zu geben zu müssen, dass "Mann" die Hosen voll hat. Vor was auch immer!
Sarkastisch, weil ich es wirklich unglaublich finde, wie erwachsene Menschen (in diesem Fall Männer) so wenig mit sich im Reinen sind und um das nicht wahrhaben zu wollen, den anderen (in diesem Fall der Frau) immer wieder eine reinwürgen müssen. Nach dem Motte: lieber halte ich mein Gegenüber klein, als meine eigene Schwäche sehen zu müssen.
Verwundert, weil ich eigentlich immer noch an die Liebe glaube und auch daran, dass jeder, ob Mann oder Frau, sich nach ihr sehnt. Klopft die Liebe aber dann an die Türe und bittet um Einlass wird sie jäh abgewiesen.
Ich möchte das alles nicht mehr. Ich möchte keinen "Vielleicht" Mann mehr, egal wie stark und muskulös seine Schultern sind. Ich möchte keinen Mann mehr, der es nicht fertig bringt, seiner Ex zu sagen, dass es eine neue Frau (nämlich mich) gibt, nur weil ihm das Gefühl von ihr gebraucht zu werden wichtiger ist, als zu mir zu stehen. Ich möchte keinen Mann mehr, der es nicht fertig bringt sich zu öffnen, der zu verkrampft ist um eine liebevolle Umarmung spontan in der Öffenlichkeit zu zulassen. Ich möchte keinen Mann mehr, der in Schweiß ausbricht, wenn es um ein UNS geht. Ich möchte keinen Mann mehr, der zu sehr in den eigenen, noch unverarbeiteten Geschichten steckt und deshalb nicht sieht wer ich eigentlich bin. Und möchte ich auch keinen Mann mehr, der erst erkennt was er an mir hat, wenn ich weg bin. Denn so unterschiedlich die Geschichten auch liefen hatten sie doch immer das gleiche Ende. Denn als ich ging, war das Geschrei immer groß. "Du bedeutest mir doch soviel. Wie kannst Du gehen, wo ich mich doch gerade versuche zu öffnen usw...."
Jungs, ganz ehrlich, Frau kann sich doch nicht alle drei Wochen trennen, nur damit ihr mal deren Wert erkennt!
Mir persönlich ist mein Herz zu kostbar, als es immer wieder von dieser Art Mann in die Warteschleife stellen zu lassen. Es fühlt sich nämlich verdammt beschissen an, nicht zu wissen woran man ist. Es fühlt sich verdammt beschissen an immer wieder im Unklaren gelassen zu werden. Unklarheit ist wie ein Kleber. Er lässt dich am anderen kleben. Hoffen, auf eine Antwort. Die aber nicht kommen wird. So auf jeden Fall nicht.
Ich habe gelernt mir meine Antworten selber zu geben. Mein Herz zu fragen, ob es glücklich ist. Meinen Verstand zu bitten, meinen Gefühlen Klarheit zu verschaffen und mich mutig darauf zu konzentrieren was ich möchte.
Denn darum geht es doch zu wissen was ich brauche um im Leben glücklich zu sein.
Ein "Vielleicht" Mann ist es auf jeden Fall nicht!
Dienstag, 1. Juli 2014
Unterscheide die Geister
Wir müssen sehr achtgeben auf den Verlauf der Gedanken. Sind Anfang, Mitte und Ende gut und hingerichtet auf etwas ganz Gutes, dann ist dies ein Zeichen des guten Engels. Wenn aber einer im Ablauf seiner Gedanken bei einer schlechten oder ablenkenden Sache endet oder bei etwas weniger Gutem als dem, was die Seele sich vorher vorgenommen hatte zu tun, oder wenn es die Seele schwächt oder verwirrt, indem es ihr den Frieden, die Stille und Ruhe, die sie vorher hatte, wegnimmt, so ist dies ein klares Zeichen, dass es vom bösen Geiste herstammt, dem Feind unseres Fortschritts und ewigen Heils.
Das stammt leider nicht von mir, sondern vom heiligen Ignatius von Loyola. Um 1500 geschrieben, wusste er bereits, wie wichtig es ist sich seinen Geistern anzunehmen, sie zu erkennen und diese zu unterscheiden.
Übersetzt heissen seine Worte wohl, dass wir prüfen sollten warum wir genau was denken. Jeder von uns denkt pausenlos am Tag. Im Bett, im Bad, am Küchentisch, in der Umkleidekabine oder wo auch immer wir uns gerade befinden. Oft haben die Gedanken mit dem was wir gerade machen überhaupt nichts zu tun. 80% unserer Gedanken sind wortwörtlich geschrieben Schrott und können sofort in die Mülltonne. Was ist aber mit den übrigen 20%? Welche, die mit unserem Hier und Jetzt etwas zu schaffen haben?
Trenne die Geister. Was genau ist damit gemeint? Mache ich mir meine eigenen Gedanken, bin ich es die denkt. Klar. Was aber ist, wenn ich mir die Gedanken des anderen mache? Was ist wenn ich denke, was der andere "vermeintlich" denkt oder denken könnte? Dann sind es doch immer noch meine Gedanken, oder? Klinke ich mich in den anderen hinein und konstruiere sein Gedachtes, ist es denn dann nicht oft so, dass ich davon überzeugt bin, dass der andere so denkt und dementsprechend handle? Und da fängt es an zu haken. Egal was wir denken, es hat immer mit uns zu tun. Es sind immer unsere Gedanken, deshalb ist es auch so schwer, sie abzuschalten. Deshalb, glaube ich ist es auch so schwer, aus dem Kreis heraus zu treten und das Ganze von Außen zu betrachten.
Ein banales Beispiel. Ich stehe unter der Dusche, mache mich fertig für meine Verabredung. Plötzlich kommt der Gedanke, mein (!) Gedanke, der andere könnte ja vielleicht gar keine Lust darauf haben, weil seine Arbeit gerade so stressig ist, ich gestern etwas zickig zu ihm war, usw. Wäre ich aufmerksam genug, würde ich diesen Gedanken fallen lassen, ihn im besten Falle weglächeln. Bin ich es nicht (was oft vorkommt) gehe ich dieser Fährte nach und habe bin in Minuten das größte Drama am Start. Streit. Betrug. Trennung.Und das obwohl nichts ist. Was ist, ich stehe unter der Dusche und freue mich auf mein Date.
Wow. Ich bin immer wieder sehr überrascht, wie Frau oder sicher auch Mann, sich das Leben zur Hölle denken kann.
Was also tun? Gute Frage. Gerne die nächste...
Unterscheide die Geister.
Was ist mein Anteil? Ich glaube, immer der Größte. Nehme ich mein Beispiel, so denke ich in den anderen meine Angst hinein. Meine Angst nach Ablehnung, Verlust, Betrug und wie sie noch alle heissen, meine Weggenossen. Und da kommen wir wieder zum hl. Ignatius ( der mich wirklich sehr beeindruckt). Gib acht auf deine Gedanken, auf Anfang, Mitte und Ende. Wenn wir "schlechtes" denken, warum machen wir das? Stammt der Gedanke wirklich aus einer Handlung des Gegenübers oder ist er ein Keim unserer verzweifelten Seele, die nach Ruhe schreit?
Ich kann nicht wissen, was der andere denkt, und genau so wenig, kann der andere wissen was ich denke. Die Kommunikation mit dem Gegenüber kann einiges klären. Natürlich. Aber nun ist es so, dass wir uns nicht immer sofort und zu jeder Gelegenheit mit dem anderen austauschen können. Wir Frauen würden das sicher ganz gerne, aber auch wir müssen mal schlafen oder anderes machen, als im Gespräch zu sein. Im Gespräch mit uns selbst sind wir aber eigentlich immer. Ob nun Mann oder Frau. Und da sind wir dann am meisten gefordert. Es fordert uns zu erkennen, was wirklich ist und was gedacht ist. Was wirklich der andere ist und was wir selber. Schwächt oder verwirrt das Gedachte unsere Seele, sollten wir, wenn es uns nicht gelingt, den Gedanken los zu lassen, ihn ziehen zu lassen, uns doch auf jeden Fall darüber im Klaren sein, dass wir es sind, die diese Gedanken denken und alles dafür tun sie nicht in unser tatsächliches Handeln eingreifen zu lassen.
Gelingt uns das, Stück für Stück, Gedanke um Gedanke, so glaube ich, wird unser Leben leichter.
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