Schreiben ist für mich eine wunderbare Art und Weise meinen Gefühlen und Empfindungen freien Lauf zu geben. Oder wie meine liebe Kollegin immer sagt "vom Dreck raus schreiben". Nein so dramatisch ist es nicht. Ich befinde mich nicht im Dreck, nicht mal annähernd. Eher auf einer spannenden Reise, auf einer Reise zum Mittelpunk von mir selbst.
Vor kurzem ist eine Freundin aus dem Urlaub zurück gekommen. Ihr Geschenk an mich war eine Kette mit einem Haifischzahn als Anhänger. "Zum durchbeissen" wie sie meinte.
Verblüfft sah ich sie an: "Aber du weißt doch noch garnichts von meiner Trennung".
"Richtig", erwiderte sie, "den Haifischzahn habe ich Dir zum durchbeißen für deine Beziehung mitgebracht. Hätte ich gewußt,dass du endlich getrennt bist, wäre mein Geschenk eine Flasche Champanger gewesen."
Ich war sprachlos.
"Um ganz ehrlich zu sein", meinte sie trocken "bin ich total erleichtert, dass du diesen beziehungsgestörten Trottel endlich los bist. Das Mäuschen spielen ist nichts für dich. Lass ihn einfach weiterziehen er wird schon irgendeine veralterte Heckflosse finden an die er sich wieder hängen kann." Mit einem Nicken bekräftigte sie ihre Aussage, ging dann in die Küche und holte zwei kleine Gläser Jägermeister zum anstoßen.
Als ich nach Hause ging musste ich immer wieder über ihre Worte nachdenken. Ein Haifischzahn zum durchbeissen.
War es so offensichtlich gewesen wieviel mir diese Beziehung abverlangt hatte?
Natürlich Menschen, die ausserhalb eines Kreises stehen, sehen die Form aus einer anderen Perspektive, genauer und besser. Aber dass ich als Kreisinhalt zum Mäuschen mutiert war? Ich? Das konnte doch nicht sein!
Zu Hause rief ich sie an um zu fragen wie sie meine Beziehung denn erlebt habe? (Ich glaube so etwas würde ein Mann NIEMALS machen, Männer gehen ein, zwei Bier trinken, reden übers Wetter oder die Arbeit und erwähnen dann kurz vor Ende so nebenbei, dass sie nun getrennt sind.)
"Liebes" sagte meine Freundin "Weder ich noch die anderen Mädels haben es je verstanden warum du das alles so lange mitgemacht hast. Das geht nicht gegen deinen Ex persönlich, zu uns war er immer sehr freundlich, aber als dein Freund, war er absolut indiskutabel. Wir hätten es Dir von Herzen gewünscht. Aber spätestens nach der Mail an seine Ex wo er ihr geschrieben hat wie wunderschön sie doch immer noch ist, war klar, dass er garnicht begreift, geschweige denn schätzt wen er da neben sich hat. Und seine Überheblichkeit hat das ganze auch nicht besser gemacht."
Gekränkt gab ich zu verstehen, dass es ja nicht immer so schlimm war, dass es ja auch Zeiten gab an denen es zu funktionieren schien.
"Süße, natürlich sah es immer wieder danach aus, dass er es endlich kapiert habe. Er stand Dir auch in schwierigen Zeiten oft zur Seite, aber eben nur zur Seite. Wann hat er Dich denn mal in die Arme genommen? Oder sich von Dir in die Arme nehmen lassen?"
Da hatte sie leider recht, meistens wenn ich meinen Ex umarmte hatte ich das Gefühl einen nassen Sack zu halten.
Es ist doch eigentlich was schönes von einem geliebten Menschen umarmt zu werden. Aber bei ihm hatte ich immer dass Gefühl einen zu Tode erschreckten Hasen in der Hand zu halten, der einfach nur abwartet bis es endlich vorbei ist.
Meine Freundin fuhr fort. "Keine weiß so gut wie ich, dass du eine Frau mit einem sehr turbulenten Leben bist und ja, Du warst mit vielem beschäftigt. Jeder versteht, dass der andere sich dann ab und zu mal ausklingt, aber er hat sich nicht ausgeklingt, er hat dich am langen Arm verhungern lassen und wenn Du Dich dann beschwert hast, Dich gnadenlos niederargumentiert in dem er deinen Therapeuten gespielt hat. Du hättest aber keinen Sofaonkel gebraucht, sondern einen Freund! Nur leider schien er überhaupt keine Ahnung davon zu haben was es heißt ein Freund zu sein. Auch wenn es sich hart anhört, aber ich bin froh, dass es vorbei ist, weil jetzt die Möglichkeit besteht, dass du endlich wieder du bist. Und ich hoffe wirklich von Herzen, dass Dir so eine Geschichte nie wieder passieren wird."
Es traf mich wie eine Faust. Ich hatte die Zeit über nicht mitbekommen, oder anders gesagt mir war garnicht klar gewesen, wie sehr meine Freunde mit mir gelitten hatten.
Ein Haifischzahn zum durchbeissen.
Ich trage die Kette meiner Freundin nun täglich um den Hals. Der Zahn ist sicher eingeklemmt zwischen meinen beiden Brüsten :-).
Wenn ich anfange an mir und meinen Entscheidungen zu zweifeln nehme ich den Zahn in die Hand und denke an ihre Worte. "Zum durchbeissen für deine Beziehung".
...das möchte ich nie wieder.
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