Frisch getrennt sein heißt:
-alle seine Mails löschen
-alle seine Nummern löschen
-alles was Dich an ihn erinnert entfernen (wenn nötig wegschmeißen)
-nicht an ihn denken
-nur an Dich denken
Wenn das mit dem wegdenken nicht so gut funktioniert rate ich zu Meditation, Wohnung umräumen, ausgehen, Yogakurs besuchen und Extremshoppen. Ein neues Kleid ist wie eine zweite Haut, wärmt Dich, hat dich lieb und wird Dich (sofern Du Dir nicht 19 Kilo aneignest) niemals verlassen.
Ich bin seit 10 Tagen getrennt. In dieser Zeit so aktiv wie ich es in 1 1/2 Jahren Beziehung nicht war. Meine Bremse ist weg, meine Kupplung auch. Es gibt nur noch das Gas. Sehr cool!
Tags über habe ich eine gute Zeit, erfüllt mit mir. Auch das einschlafen - kein Problem. Aber pünktlich um vier Uhr früh (unglaublich, ich könnte den Wecker danach stellen) zieht es an meiner Bettdecke. Ja "es", eine genaue Zuordnung dessen, war mir bis letzte Nacht noch nicht möglich. Eine Mischung aus Druck und Schmerz, konzentriert auf meiner Brust. (Na ja was will man nach 10 Tagen Trennung auch erwarten.)
"HAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAALLO!!!! Hier bin ich wieder!" jammerte es neben mir. "Los Kümmere Dich um mich! Am Tag ist genug Platz für Dein neues Leben, aber mich gibt es auch noch."
Ach herrje schon wieder, dieses Gefühl der Ohnmacht, dieses grabende Schwarze Loch, zappelnd vor meinem Bett.
Es sieht aus wie ein kleines, schwarzes Männchen (erinnert mich irgendwie an meinen Verflossenen, aber das mal nur so am Rand.) Ich glaube das Männlein fühlt sich vernachlässigt. Irritiert musste er sich setzen. Von der ganzen Meditiererei sei ihm schon ganz schwindelig und manchmal wisse er auch gar nicht mehr warum er eigentlich hier sei.
"Ach ja darf ich mich übrigens vorstellen, ich bin die Angst und der Schmerz der Verlassenen, hallo, wir kennen uns ja schon."
Das kleine Männchen sprang auf um mir die Hand zu schütteln. Wieder ein schneller Blick zur Seite. "Also warum bin ich gleich noch mal hier?"
"Du bist hier, weil ich frisch getrennt bin und dadurch sehr traurig."
"Ach das tut mir aber leid. War es denn eine schöne Beziehung?"
"Nein das war es um ehrlich zu sein nicht. Sie war anstrengend und mit viel Leid verbunden." Zerknirscht sah ich zur Seite. Auch mein kleines, schwarzes Gegenüber rückte unbehaglich seinen Hut zurecht.
"Aber dann verstehe ich ja noch viel weniger warum ich hier bin. Du müsstest doch froh sein und nicht traurig? Und wenn traurig, warum? An dem Mann alleine kann es ja nicht liegen."
Das war eine gute Frage, die ich mir so noch nicht gestellt hatte. Warum war ich denn wirklich traurig? Klar, das Ego ist verletzt, wenn man zu hören bekommt, dass der andere die Beziehung nicht mehr möchte. Wobei, wenn ich ehrlich bin, ich am Ende auch nicht mehr viel getan hatte um "im Spiel" zu bleiben. Ich wollte raus, aber ich wollte die Drecksarbeit nicht machen. Die Zeit über hatte ich mich permanent überanstrengt, diese letzte Arbeit wollte ich nicht mehr tun. Das sollte nun er machen. Das war eine Seite des ganzen. Aber...
Mutig setzte ich zu einer Antwort an.
"Ich glaube, dass ich traurig bin, weil ich es mir so sehr gewünscht hatte, zu zweit zu sein. Und es gab Momente, da schien es auch möglich."
Nur leider reichen eben keine Momente um dauerhaft verbunden zu sein. Da muss es schon noch mehr geben. Viel mehr.
Fragend schaute mich die Angst der Verlassenen an. Ich fuhr fort.
"Mein Leben mit mir war gut. Ich dachte nur zu zweit könnte es noch besser werden. Dann bin ich irgendwann mal falsch abgebogen. Hab die Schilder nicht gesehen und bin über rot gefahren."
"Blöd" hüstelte der kleine Schwarze.
"Ja richtig blöd" bestätigte ich ihm.
"UND? Das ist doch noch nicht alles. Wegen eines verletzten Ego´s stehe ich nicht extra um vier Uhr früh auf, da muss schon noch mehr los sein."
Natürlich war da noch mehr. Das wusste ich auch, nur das Hinschauen, das fiel mir wirklich schwer. Sollte ich? Ach wenn nur dieser nervige kleine schwarze Zwerg nicht neben mir gewesen wäre, dann hätte ich wunderbar weiter schlafen können und von schönen Männern im Sonnenuntergang träumen können. (Äh Moment, falscher Film, falscher Blog, darüber schreibe ich mehr auf Malibuboys.bolgspot.com)
Nun gut, was war da noch. Jetzt wurde es ernst, das merkten wir beide.
"Was mich wirklich traurig macht, ist zu sehen, wie ich selbst in dieser Beziehung mit mir umgegangen bin. Verletzen und verletzen lassen. Schlagen und schlage lassen. Zu viel war passiert in dieser Zeit. Zu wenig hatte ich auf mich und meine Bedürfnisse gehört. Kompromisse hatte ich geschlossen, die faul waren, von Anfang bis Ende. Dinge hatte ich mir antun lassen, für die es weder eine Entschuldigung noch eine Erklärung gab. Ich hatte ihm keine Grenzen gezeigt. Ich war komplett im Unklaren und hatte mich dadurch verraten. Ja, ich glaube, das ist es was mich wirklich traurig macht. Mein eigenes Versagen für mich selbst da zu sein, mich selbst zu schützen und für mich selbst einzutreten, für mich zu sorgen."
Der kleine kratzte sich am Kopf. "Ach das kann ich verstehen, und wenn ich nicht eh schon die Trauer der Verlassenen wäre, dann wäre ich jetzt mit Sicherheit sehr traurig."
Betrübt saßen wir eine Weile da. Dann kam ihm eine weitere Frage.
"Aber meine gute Freundin (laut Vorschrift dürfen wir nicht befreundet sein, aber wer beachtet in der Dramatik schon die Vorschriften)also, meine gute Freundin die Freude, die empfindest du doch auch, warum?"
Da musste ich nicht so lange mit mir kämpfen um ihm eine Antwort zu geben.
"Weil ich auf dem Weg zurück zu mir bin. Weil ich mich wieder spüre. Weil die Krise mich kreativ macht. Weil mich Bosheiten, die aus seiner Richtung kommen (sie sieht blond und schon recht faltig aus) zwar im ersten Moment verletzen, aber nach kurzem Innehalten und mit einem klaren Blick betrachtend, einfach weiter gehen lassen. Denn es ist nicht mehr wichtig. Es ändert nichts an meiner Situation.Die Freude ist wieder da, weil ich wieder Anfange zu leben."
"Das ist gut. Wirklich gut." meinte der kleine Schwarze.
Ich war mir nicht ganz sicher, aber ich hätte schwören können bei ihm so etwas wie ein lächeln zu entdecken. Aber das konnte ja eigentlich nicht sein.
"Die liebe Freude scheint ihre Arbeit sehr gut zu machen. Gott sei Dank nicht bei allen, sonst hätte ich ja nichts mehr zu tun."
Müde sah er auf seine Uhr. "So nun ist es wieder Zeit zu gehen. Ein anderer Mensch wartet schon auf mich. Wenn das in meinem Berufsstand nicht vollkommen unmöglich wäre, dann würde ich dir jetzt sagen, dass ich mich auf unser nächstes Treffen schon richtig freue."
Kurz zwinkerte er mich noch an und verschwand dann in der Dunkelheit. Zurück blieb ich. Mit mir. Müde und sehr erleichtert.
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