Ich hab getanzt heut Nacht, die ganze Nacht, heut Nacht...
Na ja es war nicht so ganz wie bei My Fair Lady. Ich habe nicht die ganze Nacht getanzt, sondern nur die gestrigen Abendstunden. Nicht mit wallenden Abendkleid wie Audrey, sondern im traditonellen Kostüm von 1805 und getanzt wurde auch nicht im Baalsaal eines englischen Schloßes, sondern im Erkerzimmer des Hofbräuhauses.
Unglaublich, aber wahr, ich hatte schon lange nicht mehr soviel Spaß. Mit einem Mann rechts, dem anderen links wurde ich von einer Seite zur anderen geführt, geleitet, getragen. Großartig! So könnte es immer sein.
War es aber leider nicht. Also nicht immer. Manchmal schon. Aber trotzdem unterm Strich viel zu wenig.
Nicht, dass ich geführt werden müsste. Ich weiß schon wo mein Weg hingehen soll (mittler Weile sogar wieder sehr gut). Geleitet muss ich auch nicht sehr oft werden (vielleicht mal nach einer Proseccoreichen Nacht), aber getragen..., das werde ich schon recht gern. Wurde ich auch.
Er hat es manchmal versucht, aber ich bin entweder zu schnell, zu schwer geworden, oder er war einfach zu schwach, oder hatte er einfach keinen Bock, oder hab ich ihm nicht die Gelegenheit dazu gegeben? Diese Art von Fragen könnte man (oder besser Frau) sich ewig stellen. Auf eine klare, eindeutige Antwort bin ich nicht gestoßen.
Lag es nun an mir oder an ihm?
Im Laufe meiner vergangenen Beziehung sind mir einige Dinge widerfahren, die mich sehr beeindruckt haben. Oft leider im Negativen.
Darauf angesprochen wurde ich sehr schnell in meine Schranken verwiesen. Ich sehe das alles völlig falsch, würde Dinge unterstellen, die so nicht zutreffen und mein Gegenüber permanten unter Druck setzen und in die Ecke drängen. (Ich persönlich glaube ja, dass mein damaliges Gegenüber die ganze Zeit bereits schon in der Ecke stand, wie hätte ich ihn da dann rein drängen sollen?)
Die eigene Wahrnehmung, das ist ein verflixtes Ding. An meiner eigenen Wahrnehmung habe ich mir schon einige Male die Zähne ausgebissen. Besonders immer dann wenn ich von ihr abgekommen bin, was heißt, dass ich ihr nicht vertraut habe.
Dabei lag so vieles auf der Hand.
Derjenige der schubst ist der Arsch, nicht derjenige der geschubst wird. Aber warum fühlt der Geschubste sich dann sooft schuldig?
"Hey, sorry Du, dass ich dir so blöd im Weg stand, dass du mich aus den Weg schubsen musstes. Sorry! Tut mir wirklich wahnsinnig leid."
Genauso und nicht anders lief es immer wieder ab.
Oft ist das für beide Parteien das Einfachste. Für die eine, weil sie nicht zu geben muss, dass ein gewalt bereites (ob physischer oder psychischer Natur) Handeln einfach das allerletzte ist. Und für die andere, weil sie weiter ihre Augen verschließen kann. Denn würde sie das nicht tun, müsste sie sich selbst eingestehen, dass sie schlecht behandelt wird, oder sich schlecht behandeln lässt und um das zu ändern müssten die Sachen auf den Tisch gebracht werden.
Gesehen. Geklärt. Geändert.
Aber was ist wenn diese Änderung nicht eintritt? Was wäre die letzte Konsequenz? Wenn die zahllosen Diskussionen nichts bringen?
Ja, das wäre dann wohl die böse, finstere TRENNUNG!
Und das will ja keiner, getrennt sein.
Aber ist man denn nicht eh schon ab dem Zeitpunkt getrennt, an dem man aufhört auf seine Wahrnehmung und Gefühle zu hören?
Abgeschnitten, getrennt von sich selbst.
Ich stelle mir das mal bildlich vor. 80% der Bevölkerung rennt mit abgetrennten Gliedmaßen rum...
Aber Spaß bei Seite wann fängt denn eine Trennung an? Wirklich erst dann wenn der eine sagt, dass er nicht mehr möchte? Oder doch vielleicht schon viel früher? Dann wenn ich mich von dem trenne was ich wirklich sehe und wahrnehme?
Bin ich dann noch ich?
Wenn das passiert, dann habe ich auch keine Motivation zu gehen.
ok. jetzt verstehe ich langsam warum ich solange geblieben bin.
Weil Unklarheit verbindet.
Immer auf der Suche nach Wahrheit und Wirklichkeit,abhängig von der Klärungsbereitschaft meines Gegenübers verrennen wir uns immer weiter in die falsche Richtung.
Nur wenn Dinge klar sind können wir gehen oder mit dem ganzen Herzen bleiben.
Aber bedarf es dazu wirklich immer den anderen?
Oder würde es nicht einfach reichen bei sich zu bleiben und auf sich zu vertrauen?
Du meine Güte, wenn das nur so einfach wäre...
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