Freitag, 2. Mai 2014
Absprung
Den richtigen Absprung schaffen kann in diversen Situationen lebenswichtig und lebenserhaltend sein. Befinde ich mich beispielsweise in einem Flugzeug um einen Fallschirmsprung zu absolvieren, sollte ich nicht unbedingt mit dem Kopf nach unten springen. Das Aufkommen könnte leicht problematisch werden. Auch beim Hoch- oder Weitsprung ist ein klar kalkulierter, konzentrierter und kraftvoller Abspung die Vorraussetzung für ein gutes Ergebnis. Je nach Talent ist die Technik hierfür gut erlernbar.
Aber was ist mit den täglichen Herausforderungen die das Leben zu bieten hat? Die kleinen oder auch teilweise großen Absprünge, welche wir zu meisten haben? Benötigen wir dafür Talent? Gibt es hierfür eine Technik, ein Lehrbuch, in welchem wir den richtigen Absprung zur richtigen Zeit lernen können? Wenn ja, dann würde man doch nicht allzu lange in einer unbefriedigenden Situation bleiben, oder? Wenn wir immer wüssten wann es Zeit ist abzuspringen würden wir dann alle ein besseres Leben führen? Vielleicht.
Wieviele von uns stecken in einem Job fest, der uns nicht befriedigt? Wieviele erliegen der beruhigenden Ausrede, würde man einen besseren finden, man sofort gehen könnte. Aber ist das wirklich der wahre Grund? Das Warten auf bessere Zeiten? Verhaftet im alten Muster, wartent auf .... ja auf was eigentlich? Darauf das es besser wird. Klar. Aber wie kann es besser werden? Wie können wir uns aus eingefahrenen Situationen herausmanövrieren ohne dabei sofort den Boden zu verlieren?
Den richtigen Absprung schaffen. Woher weiß ich, dass ich nicht vielleicht zu früh abspringe oder doch zu spät?
In zwischenmenschlichen Beziehungen erlebe ich dieses Phänomän immer wieder. (nicht nur am eigenen Leib)Ich kenne Paare, welche über Jahre eine Partnerschaft pflegen, welche eigentlich nur noch aus Gewohnheiten besteht. Diese sicherlich vertraut für beide Seiten, aber doch unterm Strich, bremsend für die eigene Weiterentwicklung und den eigenen Weg. Ich kenne Paare, welche nur noch neben sich herleben, ohne Sicht auf den anderen oder sich selbst, ohne leidenschaftliche Begegnungen und ohne Inspiration für ein gemeinsames Morgen. Teilweise quälend im Nebeneinander verhaftet.
Warum, frage ich mich, springen diese Menschen nicht?
Weil wohl ein klarer Absprung, eine Trennung bedeutet. Denn so sehr wir in den verschiedensten Beziehung unglücklich festgefahren sind, so bequem und standhaft sind wir auch darin.
Gewohnheiten schaffen Vertrauen.
Wenn ich mich in einer Partner- oder Freundschaft befinde, welche ihre eintönigen aber auch sicheren Gewohnheiten pflegt, muss ich mir keine Gedanken machen, wie es wäre, wenn ich alleine bin. Verringert sich dadurch das Risiko unglücklich zu sein? Nehmen wir deshalb das kleine Unglücklichsein hin um nicht komplett im Nichts zu versinken?
Aber ist es wirklich nur das? Die Bequemlichkeit? Das Sicherheitsdenken? Die Angst vorm alleine sein?
Bedeutet ein Absprung aus einer Beziehung nicht auch das Risiko etwas zu verpassen? Beim zu frühen Absprung zum Beispiel. Besteht da nicht die Gefahr der Entwicklung eine zu geringe Chance zu geben? Ich kenne Menschen, welche sobald das Zusammensein einen verwirrenden Verlauf nimmt abspringen, nur um sich mit der gegebenen Situation nicht auseinander setzen zu müssen. Diese Menschen wiegen sich ebenfalls in einer Sicherheit. Doch ich denke auch diese Sicherheit hat ein trügerisches Gesicht. Bedeutet seinen eigenen Weg gehen, nicht auch manchmal stehen zu bleiben? Für beides benötige ich Mut. Fürs Stehen, wie fürs Springen. Mut sich auf Neues einzulassen, oder Altes zu klären. Aber ich glaube beides kann nur funktionieren, wenn wir mit Leib und Seele, mit dem Herzen und auch dem Verstand dabei sind. Wenn die Seele zu sehr schmerzt, der Verstand einen aber immer noch zum springen oder stehen zwingt, dann ist für jeden die Zeit gekommen aus der Situation hinauszuspringen. Schaffen wir den Absprung dann noch mit einer Protion Selbstvertrauen, dann, und davon bin ich überzeugt, wird unser Mut belohnt.
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