Donnerstag, 22. Mai 2014

Stimmen im Kopf

Heute ist einer von den Tagen, wo meine erste Stimme im Kopf das Sagen hat. Es ist die Stimme, welche mir immer wieder unmissverständlich klar macht, wie klein und unbedeutend ich doch bin. Es ist die Stimme, die mir den Mut für die Zukunft streitig macht. Also für die Zukunft, die ich mir wünsche. Sie stellt sich mir in den Weg und brüllt aus vollem Halse: „Dreh um! Hör auf zu träumen! Geh einen soliden, anständigen und vor allen Dingen normalen Weg! Geh den sicheren Weg!“ Diese Stimme in meinem Kopf hat etwas sehr elternhaftes. Sie versucht mich zu erziehen und mich vor vermeintlichen Dummheiten zu bewahren. Ich kann diese Stimme schon verstehen. Selten bin ich den sicheren Weg gegangen. Eigentlich nie. Bin oft, statt geradeaus zugehen, links abgebogen um dann feststellen zu müssen, dass ich in einer Sackgasse stehe und so sehr ich mich auch bemühte durch die vor mir stehende Wand zu rennen, es einfach ein aussichtsloses und schmerzhaftes Unterfangen war. Das ist mit ein Grund, weshalb diese „Göre“ so laut plärrt. Der andere Grund ist meine ungestillte Sehnsucht. Sehnsucht nach Erfolg, Liebe, Glück, Frieden…. Und so weiter. (Das könnte jetzt wahrlich ins Unendliche gehen, aber das möchte ich keinem antun.) Meine Sehnsucht im Herzen lässt nicht locker. Sie streitet permanent mit meiner ersten Stimme, betitelt diese als spießig, unlocker, unfrei und wahnsinnig nervig. Meine erste Stimme ist mein Wusch nach Sicherheit. Gehe ich den „geregelten“ Weg, bin ich sicher. Dann habe ich weder materielle noch persönliche Probleme. Die Sehnsucht erweitert den eigenen Blick. Die Angst, dass die Träume nicht erfüllt werden beengt das Herz und legt einen Fels darauf. Die Sehnsucht nährt beides, den Willen den eigenen Weg weiterzugehen und die Angst zu versagen. Die Sehnsucht zeigt was sein könnte aber nicht ist. Ist die Sehnsucht nun gut oder böse? Ist sie aktiv oder passiv? Stillstand oder Bewegung? Hat meine erste Stimme Recht, wenn sie sagt, ich solle aufhören zu träumen und der Realität ins Auge blicken? Aber welcher? Der guten Realität, der gutgemeinten oder schlechten? Fakt ist, dass ich noch nicht da bin wo ich sein möchte, Fakt ist auch, dass ich weiter gekommen bin, als ich je dachte oder ahnte. Was ist der wirklich sichere Weg? Gibt es den überhaupt? Ist der eigene, sehnsuchtserfüllte Weg nicht immer auch mit Risiken verbunden? Unsicher? Und was ist mit dem vermeintlich „sicheren“ Weg? Würde er mich nicht unendlich unglücklich machen? Wenn wir alle auf unsere Sehnsüchte verzichten, diesen nicht mehr nachstreben, sind wir dann wirklich noch wir selbst? Ist bei allen Zweifeln und Unsicherheiten der gefühlt eigene Weg nicht doch der Sicherere? Weil wir ihn authentisch und ehrlich aus uns heraus gehen und somit immer mit uns in Sicherheit sind.?

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