Montag, 22. Dezember 2014
Hoffnung
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Zeitweilig Leider. In manchen Fällen wäre es sicherlich einfacher der Hoffnung ein kürzeres Leben zu wünschen. Denn wenn keine Hoffnung auf Besserung vorhanden wäre, dann wäre teilweise der eigene Blick klarer für die tatsächliche Situation. Dem Sein, was ist im Moment. Ich erlebe immer wieder (ob an mir oder bei anderen), dass, egal in welchen Situationen oder Verpflechtungen, ob in Liebesbeziehungen, Freundschaften oder beruflichen Miteinander, nicht aus dem tatsächlich, vorhandenen Gefühl heraus gehandelt wird, sondern aus der Hoffnung auf Besserung. Wir bleiben in Situationen,oft unerträglich und belastend sitzen, verweilen stumm, leiden still, stöhnen laut, weil wir hoffnungsvoll am Stuhl kleben bleiben.
Die Hoffnung auf Besserung lässt uns oft nicht den Mut finden ungute, belastende Verbindungen zu lösen. Denn wenn ich jetzt aus der Verbindung gehe, wie soll es dann gut werden? Wie soll ich dann liebevoll und heilsam verbunden bleiben? Manchmal ist das nicht möglich. Manchmal richten wir unsere Bedürfnisse an das falsche Gegenüber. Manchmal bringt es nichts zu hoffen. Denn die Hoffnung verklärt ab und zu den Blick.Den Blick auf das Gegenüber, ob es wirklich die richtige Adresse für die eigene Bedürfnisausrichtung ist.
Wirklich! Ich bin mit Abstand die Letzte, die nicht täglich ein Loblied der Hoffnung singt. Ich finde es gut, dass die Menschen hoffen, denn das bringt sie auch sehr oft in Bewegung. Aber eben leider nicht immer. Manchmal überfordert die Hoffnung unsere eigenen Fähigkeiten. Manchmal muss man sich auch vor der Hoffnung hüten. Manchmal hoffen wir uns in die Irre.
Sich aus einer Verbindung zu lösen, heißt immer der Hoffnung "auf Wiedersehen" sagen. "Ciao, hier gibt es nichts mehr zu hoffen." Diese Geschichte ist vorbei. Für den Moment ist die Hoffnung arbeitslos, muss ins Jobcenter gehen, eine Nummer ziehen und selbst hoffen, dass es wieder was zum hoffen gibt. Vom Arbeitgeber, zum Nehmer, zum Bedürftigen. Shit happens...
Aber ist das wirklich so schlimm? Mal eine hoffnungsvolle Pause einzulegen...?
Hoffnung ist eine zuversichtliche, innerliche Ausrichtung gepaart mit einer positiven Erwartungshaltung. Wäre es denn nicht mal sehr entspannend, die zuversichtliche, innerliche Ausrichtung natürlich beibehaltend,aber der Erwartungshaltung, so positiv wie sie auch sein mag, eine Freistunde zu geben? Damit ich im Hier und Jetzt meine Erfahrungen beschaue, verarbeite und von ihnen wirklich lernen kann? Die Hoffnung treibt uns an, das ist natürlich gut, aber manchmal muss ich auch Zeit zum stehen bleiben haben. Was ja jetzt wieder ein Widerspruch zu dem ist, was ich zu Anfang geschrieben habe.
Oder? Wann lohnt es sich zu hoffen? Noch vor ein paar Wochen hätte ich mit absoluter Sicherheit : "IMMER !!!" gesagt. Und heute? Jetzt gerade, bin ich mir nicht mehr so ganz einig mit meiner damaligen Meinung. Ab und zu macht das Leben einen Strich durch die Hoffnung. Manchmal muss man einen hoffnungsvollen Gedanken aufgeben. Manchmal bringen uns Wünsche nicht weiter. Manchmal, in den Momenten, wo uns die Realität einholt, gibt es nichts mehr zu hoffen oder zu wünschen. Wenn ich nicht immer mit meinen Gedanken in der hoffnungsvollen Zukunft verweile, ist das doch aber auch eine Chance für die Gegenwart. Den Moment erleben, wie er gerade ist. Ob gut, ob schlecht. Wie auch immer. Aber er ist gerade. Jetzt. In diesem Augenblick.
Seit einiger Zeit versuche ich mich immer wieder dabei, im Augenblick zu sein. Bei einem Date, vor ein paar Tagen habe ich fleißig geübt. Ich blickte in die Augen meines Gegenübers und erwartet...Nichts. Ich fühlte den Moment. War präsent im Jetzt. Dieser Abend war der schönste Abend seit langen. Was sicher auch an meinem charmanten Gegenüber lag, aber eben nicht nur. Es war die gegenseitige Aufmerksamkeit auf das was gerade zwischen uns passierte. Ohne "Hoffnung" auf den nächsten Moment, ohne Erwartung auf....
Natürlich ist dieses im Hier und Jetzt sein, um einiges leichter durchzuführen, wenn der Rahmen dazu ein angenehmer ist.
Und naürlich klammen wir uns an die Hoffnung, dass alles bald vorbei gehen mag und es besser wird, wenn es im Leben gerade stürmt.
Aber gerade die Tiefen im Leben bringen uns weiter. Ich schreibe das aus eigener Erfahrung. Meine erlebten Tiefen haben mich mit zu dem gemacht, was ich bin und was ich sein werde. Die Tiefe bewusst erleben, heißt sich mit Allem auseinanderzusetzen. Die Tiefe bewusst erleben, macht mich stärker, reifer und auch glücklicher. Das ist für den MOment vielleicht nicht sofort zu verstehen, aber es die Konsiquenz aus dem Erlebten.
Und jetzt? Was ist gerade?
Jetzt gerade sitze ich nach einer erfolgreichen Vorstellung am Computer und schreibe. Es geht mir sehr gut. Egal was die Vergangenheit gebracht und die Zukunft bereiten wird. Es geht mir gut. Sehr gut. Ich bin glücklich darüber, dass ich hier, diesen stillen Moment erlebe.
Die Hoffnung hat gerade Pause, weil der Moment für sich spricht.
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