Sag ich´s oder sag ich´s nicht.
Mach ich´s oder mach ich´s nicht.
Zu sagen, was gerade ist, wirklich ist. Nicht das drum herum, nicht die Ausreden, die Wege, die man um die klare Wahrheit spinnt.
Tatsachen. Fakten.
Das Aus- und Ansprechen ist oftmals ein schwieriges Unterfangen. Konflikte dort lösen wo sie tatsächlich statt finden.
Mein Gott wer macht denn sowas?
Wären wir öfter ehrlich an Ort und Stelle, dann gäbe es weniger Kriege auf dieser WElt,weniger Leid, weniger Zwietracht, Missverständnisse, Hass.
Davon bin ich überzeugt.
Aber warum ist es so schwierig seine Unklarheiten, seine Konflikte im direkten Kontakt mit der oder den betreffenden Personen zu klären? Sich mit dem auseinander zu setzen was ist. Warum erscheint uns oft der "Umweg" als Ausweg?
Die Reise um den heißen Brei herum bringt keinen ans Ziel. Im Gegenteil sie verwirrt und ermüdet. Macht traurig und verbittert.
Vor ein paar Tagen half ich meiner Tochter bei ihrem Referat über Jeanne d´Arc. Eine stolze und mutige Frau. Eine Kämpferin aus Überzeugung und Leidenschaft. Betrachtet man ihr Leben im Genaueren, wirft es doch die eine oder andere Frage auf. War sie wirklich immer ehrlich? War sie wirklich von Gott gesandt? Tat sie alles was sie machte wirklich aus einer inneren, festen Überzeugung heraus? Oder war am Ende das Netz der Lüge so dicht gesponnen, dass sie nicht mehr heraus kam und somit immer weiter lügen musste? Kam die Blase, in der sie lebte erst auf dem Scheiterhaufen zum platzen oder hat sie die Blase erst auf den Scheiterhaufen gebracht?
Jeanne d´Arcs Kritiker heißen sie eine persönlichkeitsgestörte Narzisstin. Die so von ihrer inneren Leere getrieben wurde, dass sie sich Heiligenerscheinungen anglaubte, mit denen sie die Anerkennung und die Liebe ihres Königs erklaute. Die Wahrheit wird wohl in Jennys Fall nicht mehr ans Licht kommen.
Aber wenn wir uns einmal von Jeanne d´Arc wegbewegen und in unsere Zeit hineinblicken, wann bedienen wir uns selbst der Lüge um besser da zu stehen, anerkannt oder gar geliebt zu werden? Wann lohnt es sich ehrlich zu sein? Diese Frage dürfte eigentlich nie gestellt werden, wird sie aber immer wieder. Leider. Ich nehme mich da nicht aus. Eine kleine Lüge macht das Leben oft viel leichter. Wir umgehen damit oft Unannehmlichkeiten. Wir verletzen nicht sofort. Welche Mutter würde ihrem Kind, welches unbedingt Sänger werden möchte, schon sagen dass das Talent nicht über die Miniplaybackshow hinausreicht. Welche Frau würde ihrer besten Freundin gerne ins Gesicht sagen, dass sie für das Lieblingskleid einfach zu fett ist? Und welcher ältere Mann würde einer jungen, attraktiven Frau mit der er gerne eine Affäre hätte, schon sagen, dass er seit drei Jahren in einer festen Beziehung lebt? Am Anfang ist das Lügen immer leicht. Oft glauben wir an das, was wir gerade sagen. Erhalten die Lügenblase so lange aufrecht bis sie platzt. Manchmal im Stillen (wenn wir GLück haben) und manchmal mit einem lauten, seelenbetäubenden Knall. Gerade in letzter Zeit beschäftige ich mich immer wieder mit der Lüge. Was haben wir Menschen vom Unehrlichsein? Was treibt uns an, dem anderen und teilweise auch uns selbst was vorzumachen? Warum betrügen und belügen wir? Denn kommt die Wahrheit auf den Tisch ist sie für alle Beteiligten schmerzhaft. Dem Belogenen wird der Boden unter den Füßen weggezogen. Und der Lügner...? Was ist mit dem? Sicher kommt es auf den Schweregrad der Lüge an, wie der Lügner sich fühlt. ABer eins ist klar, ob große oder kleine Unwahrheit, er oder sie muss damit leben. Und das ist nicht immer leicht. Auch das habe ich am eigenen Leib durchaus schon das eine oder andere Mal erfahren. Der eigene Blick in den Spiegel erinnert einen immer an die Lüge! Grob eingeteilt gibt es zwei Sorten von Lügnern oder Lügnerinnen. Die einen bereuen aufrichtig. Erkennen ihre Schuld und leisten Abbitte. Die anderen lügen weiter. Pumpen noch mehr vergiftete Luft in ihre Blase, werten den Belogenen so gut es geht ab, um sich die eigene Fehlleistung nicht zu gestehen zu müssen. Ob nun Lügner Nummer eins oder Lügner Nummer zwei, eines haben sie gemeinsam. Sie wollen das Geschehene vergessen, nicht existent machen. Aber leider funktioniert das weder im einen, noch im anderen Fall. Die Lüge ist absolut. Wie es auch die Wahrheit ist. Leider vergessen wir das immer wieder. ALso nochmal. Wann lohnt es sich ehrlich zu sein. Immer. Denn auch die grobste Wahrheit wird niemals so schmerzhaft sein wie die sanfteste Lüge. Warum? Weil ich, indem ich die Wahrheit sage, so schlimm oder scherzhaft diese auch sein mag, meinem Gegenüber den Respekt der Aufrichtigkeit entgegenbringe. Und darum geht es doch, mein Gegenüber so zu behandelt, wie ich es mir von ihm wünsche. Und wer von uns möchte schon gerne belogen werden?
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