Donnerstag, 25. Dezember 2014
Spuren
Mit jedem Schritt, den du tust, und in jeder Begegnung,
die dir geschenkt wird, hinterlässt du Spuren.
Ich wünsche dir, dass du Spuren der Freude
hinterlässt und des Glücks, Spuren der Hoffnung
und der Liebe, Spuren der Gerechtigkeit
und des Friedens, und da wo du anderen
weh getan hast, Vergebung erfährt.
Diese Zeilen stehen in einer Karte, welche ich zu Weihnachten von einem lieben Menschen geschenkt bekommen habe. Diese Zeilen berühren mich sehr. Sie stimmen mich nachdenklich. Vielleicht liegt es daran, dass das Jahr bald zu Ende geht. Wer weiß. Eigentlich halte ich von den "guten Vorstätzen" für das neue Jahr nicht sehr viel. Die letzte Zigarette, welche um 24h ausgedrückt wird, mit dem Vorhaben sich nie wieder eine anzuzünden, um dann spätestens am 05.Januar wieder an einem Glimstengel zu ziehen, scheint mir nicht sehr glaubhaft zu sein. Eigentlich habe ich mir auch nichts für das neue Jahr vorgenommen. Aber jetzt halte ich die Karte mit den oben geschriebenen Zeilen in der Hand. Hinterlassene Spuren. Was habe ich dieses Jahr an Spuren hinterlassen? Waren es nur Spuren der Liebe und des Glücks? Sicher nicht. Leider. Wann hätte ich in einer Begegnung vorsichtiger, und wann großzügiger sein müssen? Wann aufmerksamer? Wann vertrauter? Wann hätte ich schneller aus einer Begegnung aussteigen müssen und wann länger verweilen? Wann habe ich verletzt und vor den Kopf gestoßen? Habe ich es immer gemerkt, wenn das Gegenüber keine Gerechtigkeit von meiner Seite erfahren hat? Nein. Auch das sicher leider nicht immer. Ich habe dieses Jahr viel Trauer, Schmerz und Unwahrheit erfahren. Wann habe ich meinen Teil dazu beigetragen und wann nicht? Habe ich Freundschaften ernst genug genommen? Deren Anliegen an mich. War ich zu sehr mit mir und meinem Leben beschäftigt? War ich zu sehr mit einem "falschen" Gegenüber beschäftigt und habe dadurch die wahre Liebe nicht mehr gesehen? Ja. Das war sicher so in diesem Jahr. Ich habe auf das falsche Pferd gesetzt um im Rennen zu bleiben. Und durch diese ewige Rennerei hatte ich keine Zeit mehr für die anderen Begegnungen. Habe diese nur noch halb wahr genommen und nicht genug gewertschätzt. Wie mich selbst. Sich selbst wertschätzen, heißt auf sich aufzupassen, sich ernst zu nehmen. Auf das eigene Bauchgefühl hören. Wann habe ich Spuren der Unklarheit hinterlassen, weil ich nicht den Mut fand, meinen eigenen Weg weiterzugehen. Was wahrscheinlich geheißen hätte, diesen Weg alleine weiterzugehen. Aber gehen wir unseren Weg denn nicht sowieso immer alleine? Manchmal kreuzen sich Wege, teilweise laufen sie paralell, aber es bin immer ich selbst, die meinen Weg geht. Das kann kein anderer Mensch für mich erledigen. Wie auch ich das für keinen anderen machen kann. Wann habe ich eine schmerzhafte Spur hinterlassen, wo ich nun auf Vergebung hoffen darf. Und wann ist es an mir zu vergeben? Nicht nur dem anderen, besonders mir selbst? Sich selbst vergeben ist, wie ich finde, mit eines der schwersten Aufgaben im Leben. Ich für meinen Teil muss das wirklich lernen. Dieses Jahr gibt es so einiges, was ich mir vergeben sollte. Ich habe nicht genug auf mich Acht gegeben. Ich war mir selbst nicht wertvoll genug. Denn wäre ich es mir gewesen, hätte ich einige Dinge nicht erleben müssen. Aber hätte, wäre, wenn... Es ist wie es ist. Und es wird so kommen, wie es kommen wird. Glück, Hoffnung, Liebe, Gerechtigkeit, Frieden. Alles sehr große Worte, welche bereits im kleinen Rahmen umzusetzen nicht immer so leicht scheint. Glückliche, liebevolle Begegnungen hatte ich viele. Besonders wenn ich mit meinen Freunden beisammen war. Sie haben bei mir viel Frieden hinterlassen. Einen heilsamen Frieden, der jeden Sturm überwinden lässt. Gerade der letzte Sturm hat viel zerstört. Er hat mein Inneres ins Wanken gebracht, die Hoffnung ertränkt und mein Vertrauen in ihrem Grundsatz groß in Frage gestellt. Da scheint die eigene Vergebung ein unereichbares Ziel zu sein. Sich selbst nicht treu gewesen zu sein, ist eine Einsicht, die ich gerne verdrängen würde. Aber das bringt nichts. Die Einsicht ist die Freiheit in der Notwendigkeit. Und notwendig ist die Verarbeitung des Schmerzes und der Trauer, denn sonst haftet sie ewig an einem. Aber war ich mir wirklich selbst nicht treu? Vertrauen dem anderen entgegenzubringen, ist das, was mich mit als Mensch ausmacht. Ich vertraue dem anderen, weil ich nicht davon ausgehe, dass er es unehrlich meint. Ich gehe nicht davon aus, dass mein Gegenüber mich belügt. Daran ist auch nichts auszusetzen, aber wenn das Gefühl dem Kopf immer wieder sagt, dass er sich in einer unwahren Beziehung befindet, er es sich aber immer wieder wegdenkt, wegsieht, dann ist man sich untreu. Dann verrät man das eigene Gefühl. Dann verrät Mann oder Frau sich. So ist das. Leider.
Aber wie habe ich diesen Blog gleich nochmal angefangen? Ah ja, die Spuren. Die eigenen und die der anderen. Sich zu vergegenwärtigen, dass Nichts was ich mache, welche Entscheidungen ich treffe oder nicht treffe, ohne zu tragende Konsiquenz bleibt, dass alles was ich säe auch ernte, wenn auch nicht immer sofort, wäre doch ein Anfang für ein neues Jahr, mit glücklichen und liebevollen Begegnungen, welche eine ehrliche Spur hinterlassen.
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