Das Herumschleppen eines schweren Sackes ist eine extrem anstrengende, wenn nicht gerade zu verdammt doofe Angelegenheit. Ich schreibe hier nicht vom greifbaren Gegenstand wie ein Sack Sand, ein Sack Holz oder ein Sack Kohle. Nein, diese Säcke meine ich nicht.
Meinen schweren Sack sieht man nicht. Nicht direkt, aber seine Auswirkungen sind klar zu erkennen. Die schlechte Laune, welche einem plötzlich überkommt, die Zerstreutheit, die den Geist verwirrt, der am Fuß hängende Schwermut, die plötzlich explodierende Aggression.
Nicht zu sehen was man umso intensiver spürt irritiert mich. Das ins Leere greifen, wo doch eigentlich soviel ist... Nur was?
Was macht mich traurig, wütend und müde? Was lässt mich resigniert wie einen durchgespielten Turnschuh durch die Gegend laufen? Das tiefe schwarze Loch, das in meinem Bauch herrscht und wütet und waltet. Ja, was genau ist das? Vielleicht die Unzufriedenheit mit meiner momentanen Gesamtsituation?
Eigentlich nicht. Eigentlich ist meine momentane Gesamtsituation recht passabel. Kommt auf die Sichtweise an. Wie alles oder so vieles genau darauf ankommt wie man Situationen bewertet, aus welchem Winkel man sie betrachtet. Ob man sie gut oder schlecht sehen möchte.
Ich will alles gut sehen. Das nehme ich mir jeden Tag vor. Beim Aufstehen sage ich "danke" für die Dinge, die ich habe, für die Menschen, die ich kenne, für die Liebe in meinem Leben. Denn da ist ganz viel Liebe und Wärme. Im Hier und Jetzt herrscht Friede.
Was aber zieht mich runter? Die Vergangenheit, die ich selbst nicht mehr in der Hand habe oder vielleicht auch nie in der Hand hatte?
Die Vergangenheit ist etwas Abstraktes. Für den Betrachter der Vergangenheit, hat die Vergangenheit bereits entschieden. Was hätte anders, besser laufen müssen, damit es mir im Hier und Jetzt nicht immer wieder einmal den Boden weg ziehen würde?
Vieles, wirklich vieles hätte anders laufen müssen. Hat es aber nicht. Mühselig es sich zu wünschen, denn es ist ein Unterfangen ohne Ende. Da könnte ich mich ja gleich ans Meer setzen und das Wasser mit einer Muschel auslöffeln.
Wenn die Gegenwart schön ist warum kommt dann die Vergangenheit und macht alles kaputt? Oh Gott jetzt ist es soweit! Ich bin ein Psycho!!!!! Depressiv, verkorkst und therapiebedürftig.
Nichts desto Trotz glaube ich, dass ich da nicht die einzige bin. Das beruhigt mich. Die meisten Menschen haben eine unschöne Vergangenheit oder Kindheit. Die einen mehr als die anderen. Ich kenne wenige, die mit Überzeugung sagen können, sie hatten durch und durch eine tolle Zeit als Kind. Den Wenigen sei es natürlich von Herzen gegönnt, es können ja nicht nur Gestörte durch die Gegend laufen :-)
Aber zurück zu dem was mich nach unten zieht. Das Loch, der Sack.
Ich glaube es ist ein Gemisch aus Erhofften, Ersehnten, Nichterfüllten und dem Wissen, dass es nicht möglich ist das alles abzustellen, los zu werden.
Oder vielleicht doch?
Wie wäre es denn das ganze Gebräu zu nehmen und einfach stehen zu lassen? Das Gepäck abstellen. Aber wo? An einem sicheren Ort. An einem Ort wo niemand den Koffer öffnen kann. Mein Versteck, mein Geheimnis. "Zutritt verboten" - "Sperrgebiet". Nur ich kenne den Weg dort hin. Vielleicht noch ein zwei andere. (das muss ich mir noch überlegen). Und dann geh ich einfach weiter. Befreit und leicht. Als wenn nichts wäre. In der Gegenwart ist alles gut. Keine alten Geister die mich rufen, keine Schatten die mich verfolgen, kein weinen des gequälten Kindes. Nur wenn mich die Sehnsucht packt kehre ich zurück. Zum Ort des Gewesenen, zu mir in einem anderen Teil meines Lebens. Zu einer anderen Person in mir. Wenn dieses Kind schreit bin ich da. Öffne die Truhe. Halte es, umarme es, tröste es und lege es beruhigt schlafen. Dann sperre ich den Ort wieder ab. Verstecke den Schlüssel und gehe in die Gegenwart. Ins Licht. In mein aktuelles Leben, voll mit Liebe und Frieden. Sammle Kraft und Ruhe für meinen geheimen Ort. Im Klaren, dass das eine das andere bedient und nährt. Alles ist gut. Der Erwachsene sorgt für sein Kind.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen