Dienstag, 1. Juni 2010

Schwarz und weiß

Heute ist einer dieser Tage, von denen ich gehofft hatte, dass sie ganz schnell vergehen und nicht mehr kommen würden.
Heute bin ich traurig.
Klar, was glaube ich denn auch nach 21 Tagen Trennung großartig anderes anzutreffen? Vielleicht für immer Sonnenschein und blütenweiße Felder?
Nö. Heute regnet es.
Die letzten Tage liefen sehr gut. Ich habe ausgelassen meinen Geburtstag gefeiert, im beschützten und liebevollen Kreis meiner Freunde. Habe vieles getan was Mädchen gerne tun. Frühstücken gehen, Bücher lesen, Quarkmasken auftragen, weggehen, Cosmopolitan trinken und flirten, viel flirten.
Vielleicht habe ich unter dem ganzen Freizeitstress vergessen, mein "Beimirbleibeundfürmichdasein" Programm so konsiquent wie in den ersten 14 Tagen durchzuziehen. Vielleicht ist es aber auch nur die Müdigkeit vom Cosmopolitan Glas halten, die mich heute ins Reich der Tränen führt.
Trauer und Wut geben sich abwechselnd die Hand, nein nicht gerade die Hand.
Die Wut macht die Trauer platt.

"Du doofe Ische, was bist´de denn immer noch traurig? Jede Träne ist zu viel geweint. Hör jetzt endlich auf!"
"Kann ich nicht" gibt die Trauer zurück. "Es tut einfach weh".
"Was, dass du nicht mehr zu zweit bist?" wütet es zurück.

Dieser Streit könnte jetzt noch ewig gehen. Ich für meinen Teil mache eine Pause.
Schaue mir beide Gefühle an. Die Trauer kenne ich sehr gut. Wäre sie eine Person, dann wäre sie groß gewachsen, zart mit langem, schwarzem Haar, elfenbein farbenen Teint und schwarzen, dramatischen Augen. Das elegante ebenfalls schwarze Kleid schmeichelt ihren Hüften und der ausladende schwarze Hut wird von einem seidenen Schal umringt. Sie ist so schön und so leidend! Wäre ich ein Mann, ich würde mich verlieben. Auf der Stelle und bedingungslos. Vielleicht ist das, das Problem. Vielleicht bin ich zu sehr in die Trauer verliebt.

Just in diesem Moment knallt es von der Magengegend herauf ins Herz hinein, wo die Trauer sich eingerichtet hat.

"Dieser Typ ist keine einzige Träne wert, dieser Typ besteht aus Arroganz, Ignoranz und Feigheit. Hör auf dich selbst fertig zu machen!" herrscht die Wut entbrannt nach oben.
"Oh Mann bin ich sauer. Unglaublich sauer!"

Wüste beschimpfungen sprudelt sie heraus. (Ich möcht das hier nicht wiederholen). Aber ich muss der Wut schon recht geben.
Es bringt mich nicht weiter, das traurig sein. Im Gegenteil es lähmt mich. Verwirrt mich und lässt mich, was das Schlimmste ist, immer kleiner fühlen.

Ich war nie ein sehr wütender Mensch.
In letzter Zeit bin ich es ständig und das gefällt mir. Die Wut ist ein sehr lebendiges Gefühl. Die Wut lässt mich spüren.
Wäre auch sie eine Person, würde ich sie als Molotow schmeißende Edelpunkerin sehen. Immer mitten drin, immer präsent, immer am kämpfen! Die Wut spuckt den Dreck einfach aus bevor er sich im Inneren breit machen kann. Die Wut zieht Grenzen.

Ja, ich mag meine Wut und ich mag es Grenzen zu ziehen. Endlich!

Ich bin wütend auf mich, weil ich sovieles mit mir machen habe lassen. Ich bin wütend auf ihn, weil er sovieles mit mir gemacht hat.

Ignorant und verletzend auf der einen Seite.
Liebevoll und verletzlich auf der anderen Seite.
Denn es gibt immer zwei Seiten. Wie die Wut und die Trauer.

Die Trauer reißt Sachen von ihm an mich, die Wut schiebt sie wieder zurück. Die Dinge am Platz lassen, das hilft. Wenn sich dann zur Wut und zur Trauer, die Klarheit gesellt, habe ich es für den Moment geschafft.
Wieder einen Schritt weiter weg von der Vergangenheit. Wieder einen Schritt mehr in die Gegenwart.
Und die Gegenwart ist gut. Sie hüllt mich in eine warme Decke, schenkt mir viel Licht und Aufmerksamkeit, beruhigt mich mit ihrer liebevollen Stimme:
"Schön, dass Du wieder da bist, bleib doch dieses Mal etwas länger, damit ich Dir alles zeigen kann. Du wirst sicher sehr überrascht sein, wie schön es hier ist."

"Danke! Von Herzen gerne! Diese Mal bleibe ich länger."

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